Kartenset
Wo?
›Psst! Mit Stimme Theater machen‹ könnt ihr
bei ›Theater der Zeit‹ kaufen. Dann habt ihr alle Karten in der Hand und dazu eine detaillierte Anleitung im Begleitheft.
Für wen?
Das Kartenset ist konzipiert für alle, die mit Stimme Theater machen wollen. Im Fokus seid ihr als Theaterpädagog:innen, Theatergruppen, (Theater-)Lehrkräfte, als Sprecherzieher:innen, Lehrende an Hochschulen und Stimm- und Theaterbegeisterte.
Auch als Jugendliche oder ältere Kinder könnt ihr die Karten in Spielclubs, Theater-AGs, im Unterricht oder in Workshops eigenständig nutzen. Dabei könnt ihr euch dem Thema Stimme im Theater nähern, in Übungen eure eigene Stimme besser kennenlernen und Anregungen für eure eigene künstlerische Arbeit bekommen.
Wie?
Ein Kartenset besteht aus frei kombinierbaren Teilen. Es will vermitteln und verknappen. Wir knüpfen an viele zeitgenössische Kartensets ebenso an wie an künstlerische Ideen der Fluxus-Bewegung. Es geht darum, Aufgaben an die Hand zu geben, die jede:r ausführen kann, partizipativ, mit der Lust, andere zu Aktionen zu bewegen. Ein Kartenset ermöglicht, das herauszugreifen, was für euch interessant ist, und Kombinationen zu finden, die zu eurer Gruppe passen. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Es kann hilfreich sein, eine Übung oder ein Experiment zur Vorbereitung selbst auszuprobieren und erste Erfahrungen damit zu sammeln. Während der Probe habt ihr dann verschiedene Möglichkeiten. Lest die Schritte einfach von der Karte ab, nutzt die Karten in eurer Vorbereitung oder gebt sie an eure Teilnehmenden ab und ladet sie ein, selbstständig damit zu experimentieren.
Welche Arbeitsweise auch immer zu euch passt, wir möchten euch besonders zwei Dinge empfehlen:
- Greift die Aufforderungen zum Nachspüren und Hinhören sowie zum Austausch aktiv auf. Hier geht es darum die eigene Wahrnehmung und eure künstlerischen Möglichkeiten weiterzuentwickeln.
- Arbeitet mit Humor! Körperliche und stimmliche Lockerheit ist wichtig, damit die Stimme gut funktioniert. Geht mit Freude an die Übungen und künstlerischen Experimente: Seht es als Spiel und genießt das Scheitern!
Barrieren und Zugänge
Unser Kartenset beinhaltet verschiedene Barrieren. Es nutzt Schriftsprache. Viele Karten beinhalten mehrere kleinteilige Anleitungsschritte. Es fordert an vielen Stellen zu selbstständigem Handeln auf. Es basiert grundlegend auf der Nutzung von Lautsprache, Stimmfunktion und Hören. Viele Übungen arbeiten zusätzlich stark mit dem Körper.
Im Begleitheft findet ihr Überlegungen dazu, wie ihr die Karten nutzen könnt, um sie zugänglicher zu machen. Und ihr findet Hinweise, welche Karten sich eignen, wenn eine bestimmte Barriere für euch oder eure Gruppe besonders groß ist.
Stimme als Ereignis
Mit diesem Kartenset möchten wir die Stimme und das Sprechen für das Theatermachen stärken – und das aus verschiedenen Gründen:
- Mit unserer Stimme kommunizieren wir und gestalten Sprache.
- Wenn unsere Stimmen erklingen, sind wir mit unseren Körpern in Kontakt.
- Beim Sprechen können wir uns mit anderen verbinden.
- Dabei ist jede Stimme einzigartig und unverwechselbar.
Mit dem Fokus auf Stimme und Sprechen im Theater wollen wir euch einladen, eurer eigenen Stimme Resonanz zu geben, sie hörbar zu machen und ihre vielfältigen Möglichkeiten zu entdecken. Zugleich üben wir auf diese Weise das Hinhören und Zuhören. Dabei ist die Stimme ein eigenständiges Phänomen: sinnliche Kraft und Material. Sie ist weit mehr als ein Bedeutungsträger – ein Ereignis.
Karten
Aufbau des Kartensets
Das Kartenset teilt sich in sechs Kategorien. Ihr erkennt sie an ihren verschiedenen Farben. Unsere Hauptkategorien, wenn es ums Ausprobieren, Proben und Theatermachen geht, sind: ›üben + wahrnehmen‹ und ›spielen + experimentieren‹. Sie fordern euch zum Tun auf!
üben + wahrnehmen
Mit den hier versammelten Übungen lernt ihr, im Alltag und vor Publikum vielfältiger, raumfüllender und zielgenauer zu sprechen. Sie umfassen acht Themen: Körper, Atem, Stimme, Stimmkraft, Artikulation, Kontakt und Senden, Sprechgestaltung, Chor.
spielen + experimentieren
Auf diesen Karten findet ihr Spielanlässe und künstlerische Experimente in den fünf Bereichen: Klang und Geräusch, Erzählen und Biografie, Chor, Medien und Technik, Text und Partitur. Die Karten laden dazu ein, in euren Proben spielerisch mit Stimme zu experimentieren und erste kleine Präsentationen – Performances, Szenen, Installationen, Audiowalks – zu entwickeln.
Die Karten in den Kategorien Wissen, Material, Formen und Miteinander ergänzen die zwei Hauptkategorien.
Auf vielen Karten findet ihr Verweise zu anderen Karten. Diese zeigen euch, welche Karten besonders gut zueinander passen. Eine detaillierte Beschreibung der einzelnen Kategorien und ihrer Inhalte findet ihr im Begleitheft.
Über uns
Marit Fiedler
Marit Fiedler ist als Sprechbildnerin, Rhetoriktrainerin und Erzählerin tätig. Dabei arbeitet sie an verschiedenen Universitäten und Hochschulen in Mecklenburg-Vorpommern sowie für Bildungsträger, kirchliche Einrichtungen und mit Menschen in sprechintensiven Berufen.
Seit 2009 unterrichtet sie Sprecherziehung an der hmt in Rostock u.a. im Lehramt Musik und im Bachelor/Master Gesang. Seit 2014 ist sie außerdem im Master Theaterpädagogik und seit 2019 vorrangig im neu geschaffenen Studiengang Lehramt Theater tätig. 2024 bis 2026 arbeitete sie als künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ›Fokus Stimme‹ an der hmt in Rostock.
Von 2017 bis 2020 leitete sie die GeschichtenWerkstatt im Kirchenkreis Mecklenburg und begleitete dieses Projekt deutschlandweit unter anderem auch zum Evangelischen Kirchentag 2019 in Dortmund. Ebenfalls 2019 absolvierte sie eine Ausbildung zur Bibelerzählerin.
Marit Fiedler studierte Sprechwissenschaft und Phonetik sowie Modernhebräisch an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. In ihrer Promotion verglich sie die Prosodie des Modernhebräischen mit der des Deutschen. Ihre Studien wurden durch die Graduiertenförderung des Landes Sachsen-Anhalts sowie durch den DAAD gefördert.
Sie ist Mitglied in der deutschen Gesellschaft für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (DGSS), sowie im Mitteldeutschen Verband für Sprechwissenschaft und Sprecherziehung (MDVS).
www.maritfiedler.de
Caroline Intrup
Caroline Intrup ist Sprechtrainerin, Performerin und Sprechkünstlerin. Sie arbeitet für Bühne und Medien mit einem Fokus auf interdisziplinäre Projekte und Trainingskonzepte.
Im Training sind Stimme und Sprechkunst ihre Schwerpunkte. Dabei ist es ihr ein besonderes Anliegen, ihre Methoden nachvollziehbar und transparent zu gestalten und mit den Teilnehmenden Strategien zu entwickeln, wie diese selbstbestimmt und offen an Stimme und Sprechen arbeiten können. Seit 2019 unterrichtet sie an der Hochschule für Musik und Theater Rostock im Studiengang Lehramt Theater, wo sie 2024 bis 2026 künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ›Fokus Stimme‹ war und das Kartenset ›Psst! Mit Stimme Theater machen‹ mitentwickelte.
Als Performerin steht sie seit 2009 immer wieder für die Tanztheaterkompanie backsteinhaus produktion auf der Bühne und gründete 2011 das Duo Holunda & der Schurke, das Sprechtexte mit elektronisch-perkussiver Musik verbindet.
Caroline Intrup studierte Sprechkunst und Sprecherziehung an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst Stuttgart und lebt in Berlin.
www.caroline-intrup.de
Isabelle Zinsmaier
Isabelle Zinsmaier ist als Theaterpädagogin, Theaterwissenschaftlerin und Performerin tätig.
Zusammen mit Corina Liechti realisiert sie seit 2016 theaterpädagogische Formate für Menschen verschiedenen Alters, u.a. für das Schauspielhaus Zürich und das Junge Theater Graubünden. Als Teil des zaungäste Kollektivs entwickelt sie seit 2013 chorische Theaterarbeiten. Seit April 2026 ist sie Professorin für Kulturelle Bildung mit Schwerpunkt Theater und Performance an der HSBI Bielefeld.
Isabelle Zinsmaier studierte Angewandte Theaterwissenschaft an der Justus-Liebig-Universität in Gießen sowie Theaterpädagogik an der UdK in Berlin und promovierte an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz zu transnationaler Erinnerungsarbeit im Theater. Von 2024 bis 2026 war sie künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiterin im Projekt ›Fokus Stimme‹ an der hmt Rostock, in welchem das Kartenset ›Psst! Mit Stimme Theater machen‹ entstand.
Matthias Dreyer
Matthias Dreyer ist Theaterwissenschaftler, Dramaturg und Professor für Theater in Schulen an der Hochschule für Musik und Theater Rostock. Dort entwickelte er den Lehramtsstudiengang Theater und leitet die Abteilung für Theaterpädagogik.
Zuvor war er Humboldt-Fellow an der University of Chicago, arbeitete an der Goethe-Universität Frankfurt sowie an der Freien Universität Berlin im Bereich Theaterwissenschaft. Forschungsschwerpunkte sind Chor, Avantgarden und das Hören in künstlerisch-pädagogischen Prozessen.
Matthias Dreyer studierte Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosophie in Wien, Berlin, Paris und Baltimore. Promoviert wurde er mit der Arbeit ›Theater der Zäsur. Antike Tragödie im Theater seit den 1960er Jahren‹. Er arbeitete auch als Dramaturg, u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und am Ulmer Theater, sowie als Spielleiter für eine inklusive Theatergruppe in München.
Projekt ›Fokus Stimme‹
›Psst! Mit Stimme Theater machen‹ ist im Rahmen des zweijährigen Projekts ›Fokus Stimme – Ein Methodenset für die Theaterpädagogik‹ (2024–26) an der Hochschule für Musik und Theater in Rostock entstanden. Gefördert wurde das Projekt durch die Stiftung Innovation in der Hochschullehre im Rahmen der Förderlinie Freiraum 2023. Über den Zeitraum von zwei Jahren arbeitete unser vierköpfiges interdisziplinäres Team zwischen Stimm- und Sprechbildung, Theaterpädagogik und Wissenschaft an der Entwicklung des Kartensets.
Die Entwicklung der Karten wurde mit Lehrformaten im Studiengang Lehramt Theater verknüpft und von ihnen bereichert. Diese Formate konnten wir gut in die Lehre an der hmt Rostock integrieren, weil die Arbeit mit Stimme dort generell eine besondere Rolle im Studium spielt. Dahinter steckt der Gedanke, dass ein reflektierter Zugang zur Vielfalt der eigenen Stimme sowohl für einen Berufsweg in Schule und Theaterpädagogik wichtig ist, als auch einen grundlegenden Baustein für die zeitgenössische Theaterarbeit darstellt.
Die im Kartenset versammelten Methoden, Ansätze und künstlerischen Arbeiten spiegeln das, was unsere zweijährige Projektzeit und unsere eigenen beruflichen und biografischen Hintergründe zum Vorschein gebracht haben. Die Karten sind auch beeinflusst von den vielen Menschen, mit denen wir über zwei Jahre zum Thema Stimme in Austausch gekommen sind. Ein anderer Standort als unserer hätte einen anderen Ausschnitt des Themas Stimme im Theater hervorgebracht. Die Sammlung unserer Karten verheißt demnach weder Vollständigkeit noch ›best practice‹. Die Karten sind vielmehr eine Einladung zum Üben, Wahrnehmen, Spielen und Experimentieren, von unserem Standort und Zeitpunkt aus.